Ein Auslandsjahr in Amerika – trotz Trump?
Seit Jahrzehnten ist ein Auslandsjahr in Amerika ein Traum von vielen Schülerinnen und Schülern. Und schon immer war dieser Plan mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden. Aber es gab wohl selten mehr Unsicherheiten im Hinblick auf einen Aufenthalt in Amerika als seit der erneuten Amtsübernahme durch Donald Trump. Dessen Regierung hat sich vor allem die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen im Themenbereich der Migration vorgenommen und hat dabei an verschiedenen Stellen angesetzt. Macht ein Auslandsjahr in Amerika trotz Trump noch Sinn? Was muss man beachten, welche Regeln gelten neu und was spricht trotzdem für ein Auslandsjahr in den USA? Hier sind Antworten und Einschätzungen auf diese und ähnliche Fragen.
Hintergrund: Das Studenten- und Schülervisum für die USA
Wer für ein akademisches Bildungsprogramm in die USA einreisen und sich dort aufhalten möchte, benötigt dafür ein Visum der Kategorie F-1. Dieses Visum bekommt man mit dem Immatrikulationsnachweis einer amerikanischen Highschool oder Universität, dem Nachweis ausreichender Englischkenntnisse und dem Nachweis ausreichender Finanzmittel, um alles rund um den Aufenthalt bezahlen zu können.
Das F-1-Visum wird nur dann ausgestellt, wenn der Antragsteller in die Datenbank SEVIS eingetragen ist und es bleibt auch nur solange gültig, wie der Eintrag bestehen bleibt. SEVIS steht dabei für das „Student and Exchange Visitor Program“, das vom Department of Homeland Security verwaltet wird. Ist hier eine Eintragung erfolgt, wird das Formular I-20 zur Bestätigung ausgestellt, das bei der eigentlichen Visumsbeantragung vorgelegt werden muss. Private Internate haben in aller Regel die Berechtigung erworben, Datensätze im SEVIS anzulegen.
Trump und der Fall Harvard
Seit Donald Trump im Januar 2025 zum zweiten Mal die Präsidentschaft übernommen hat, hat das Weiße Haus einen Schwerpunkt auf das Thema Migration gelegt. Neben der Abriegelung der Außengrenzen richtet sich die Aufmerksamkeit dabei auch auf Menschen, die sich schon im Land aufhalten und dabei auch auf solche Personen, die – nach Ansicht der US-Regierung – eine Gefahr für die innere Sicherheit darstellen. Letzteres war der Auslöser für die heftige Auseinandersetzung der Trump-Regierung mit der Harvard University. Trump warf der renommierten Universität vor, nicht genug gegen israelfeindliche Proteste auf ihrem Campus oder von ihren Studentinnen und Studenten unternommen zu haben und veranlasste unter anderem, dass Harvard der Zugang zu SEVIS gesperrt wurde. Die unmittelbare Konsequenz daraus wäre, wenn Gerichte dem nicht einen Riegel vorgeschoben hätten, dass die Visa der von der Harvard University in dem System eingetragenen Studentinnen und Studenten auf einen Schlag nicht mehr gültig waren.
Neue Herausforderungen bei den Visa für die USA
In der Folge der Auseinandersetzungen der US-Regierung mit Harvard hat das Außenministerium im Juni 2025 neue Regeln für die Vergabe von Visa in den Kategorien F, J und M, die sich auf den Besuch von Bildungseinrichtungen verschiedener Arten beziehen, erlassen. Die neue Anweisung an die Konsularbeamten sieht vor, dass diese die Social-Media-Konten aller Antragsteller auf „feindselige Einstellungen gegenüber Volk, Kultur, Regierung und Institutionen“ hin überprüfen sowie auf Antisemitismus und mögliche „Unterstützung ausländischer Terroristen“. Zu diesem Zweck müssen die Antragsteller ihre Konten in den sozialen Medien öffentlich zugänglich machen und diese bei der Antragstellung benennen. Wird dies nicht getan, so die Anweisung weiter, so ist dies als „Zurückhalten wichtiger Informationen“ zu bewerten.
Die Einschätzung, welche Äußerung in sozialen Medien in die genannten Kategorien fällt, obliegt den Konsularbeamten. Die direkte Folge davon dürfte sein, dass sich der Antragsprozess deutlich verlängern dürfte, da die Beamten nun mehr Zeit aufwenden müssen, um einen Antrag zu bearbeiten. Mit dem Antrag sollte daher zukünftig noch früher als bisher begonnen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Maßnahme in erster Linie auf Anträge von Bewerbern zielt, die an ein College oder eine Universität gehen wollen, nicht auf solche, bei denen es um den Besuch einer High School geht.
Trump und das Department of Education
Bereits im Wahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, das Bildungsministerium schließen zu wollen. Die Idee ist nicht neu, Teile der republikanischen Partei sprechen sich schon seit Jahrzehnten für eine Schließung des Departments of Education aus. Offiziell wird das Vorhaben damit begründet, dass Bildung und Schule Aufgaben der Bundesstaaten sind und ein landesweites Ministerium daher unnötig Geld koste. In Wahrheit dürfte aber dahinterstecken, dass der sehr konservative oder christlich-fundamentale Teil der republikanischen Wählerschaft gegen allzu progressive Lehrpläne und Diversitätsvorgaben für die Schulen ist und daher die Verantwortung lieber komplett in die Hände der Bundesstaaten oder Kommunen legen möchte.
Welche Folgen hat die geplante Abschaffung des Bildungsministeriums?
Dazu ist zunächst zu sagen, dass Trump aus rechtlichen Gründen das Ministerium nicht komplett schließen kann, das müsste der Kongress tun. Die Trump-Regierung hat versucht, diese Hürde zu umgehen und hat die Entlassung hunderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ministerium verfügt, um dieses damit weitestgehend handlungsunfähig zu machen. Auch dieses Vorhaben ist zumindest vorübergehend von Gerichten gestoppt worden.
Ein Großteil der Aufgaben des Bildungsministeriums liegt auf dem Gebiet der Verteilung von Fördergeldern. Privatschulen sind hiervon nicht betroffen, so dass Änderungen im Hinblick auf das Ministerium keine entscheidenden Auswirkungen auf diese haben dürften. Allgemein ausgedrückt kann man es auf dem Campus eines privaten Internats kaum merken, wer gerade im Weißen Haus sitzt. Die meisten Privatschulen befinden sich in demokratisch regierten Bundesstaaten und generell herrscht an diesen Schulen in den weitaus meisten Fällen eine progressive, liberale Atmosphäre. Dazu muss man auch bedenken, dass private Schulen selbstverständlich ein Interesse daran haben, dass Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland zu ihnen kommen. Sie werden sich daher sehr darum bemühen, ihr Angebot und ihren Lehrplan nicht politisch beeinflussen zu lassen. Internationale Schülerinnen und Schüler an privaten amerikanischen Internaten dürften während eines Auslandsjahrs in den USA aller Wahrscheinlichkeit nach keine Auswirkungen der Kürzungen beim Bildungsministerium zu spüren bekommen.
Auslandsjahr in den USA unter Trump: Chance oder Risiko?
Die vielen und immer wieder neu aufkommenden Meldungen rund um das Thema Migration und Visa sorgen verständlicherweise für viel Verunsicherung bei europäischen Schülerinnen und Schülern, die ein Auslandsjahr an einer amerikanischen Schule verbringen wollen. Über diese Unsicherheit darf man aber nicht die unbestreitbaren Vorteile eines solchen Auslandsjahres vergessen. Ein Schuljahr im Ausland ist ein großer Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung und vermittelt Dinge wie Teamgeist, Selbständigkeit, Kompromissbereitschaft und interkulturelle Kompetenz und ist darüber hinaus natürlich der beste Weg, um sehr gutes und sicheres Englisch zu lernen. Ein Auslandsjahr in Amerika ist eine große Chance für alle jungen Leute, die sich noch viele Jahre später bezahlt macht.
Während des Auslandsjahres befinden sich Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland hauptsächlich auf dem Schulgelände und haben stets Ansprechpartner und Betreuer verfügbar. Dieses sind geschützte Räume, in denen auch offen und kontrovers diskutiert werden darf und in denen die Atmosphäre dieselbe ist wie früher. Die amerikanischen Schulen freuen sich über internationale Impulse und Perspektiven und werden alles dafür tun, damit sich die nicht-einheimischen Schülerinnen und Schüler in jeder Hinsicht wohlfühlen können. Wer an einer Boarding School in den USA aufgenommen wurde, braucht sich keine Sorgen zu machen. Es gibt prinzipiell keinen Grund, von einem Auslandsjahr in den USA abzusehen.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte trotzdem einige Vorsichtsmaßnahmen beachten:
- Bei der Beantragung des Visums sollte man peinlich genau darauf achten, dass alle Angaben auf wirklich allen Dokumenten übereinstimmen. Das gilt auch für Namen und Bezeichnungen, die mit Umlaut oder ß geschrieben werden.
- Vor der Beantragung noch einmal überprüfen, ob Social-Media-Postings missverständlich oder Grund für eine Ablehnung sein könnten. Das komplette Löschen aller Social-Media-Accounts ist eher nicht zu empfehlen, da die Konsularbeamten davon ausgehen werden, dass junge Leute mindestens ein Konto in sozialen Netzwerken aktiv nutzen.
- Für die Einreise in die USA noch einmal alle Unterlagen, die für die Beantragung des Visums vorgelegt werden mussten, ausdrucken und in einem Hefter mitnehmen.
- Bei der Einreise am Flughafen alle Fragen der Grenzbeamten wahrheitsgemäß beantworten, bei Unsicherheiten oder Verständnisschwierigkeiten lieber noch einmal nachfragen.
- Die Ankunftszeit und Flugnummer im Vorfeld der Schule mitteilen.
- Bei Ausflügen in Städte von politischen Demonstrationen fernbleiben.
- Sehr wichtig: Auf keinen Fall länger im Land bleiben als es das Visum erlaubt.
Die meisten dieser Regeln galten eigentlich schon immer, aber es ist, gerade bei Schülerinnen und Schülern, die vielleicht schon Routine mit den Einreiseprozeduren haben, sicher gut, diese in diesen Tagen besonders zu beherzigen.
Alternativen zum Auslandsjahr in den USA
Für viele Familien, die sich mit dem Gedanken eines Schuljahrs im Ausland beschäftigen, rücken angesichts der vielen Diskussionen zunehmend auch andere Länder ins Blickfeld. Selbstverständlich sind die USA ein besonderes Ziel, das nicht einfach beliebig austauschbar ist, aber andererseits kann man viele der Ziele und Erwartungen, die an einen Schulaufenthalt dort geknüpft sind, auch in anderen Ländern erreichen. Internationale Schulen an anderen Orten bieten den Schülerinnen und Schülern ebenfalls eine englischsprachige Umgebung, in der sich die Sprachkenntnisse verbessern lassen. Hinzu kommt, dass auch andernorts kleine Klassen, motivierte Lehrkräfte und gut ausgestattete Lehrräume und Labore zu finden sind. Sport und Freizeitangebote gehören auch an Internaten außerhalb der USA selbstverständlich mit zum Angebot, auch wenn die Amerikaner in dieser Hinsicht zugegebenermaßen meist etwas mehr zu bieten haben. Und nicht zu vergessen; Auch wenn es nicht die USA sind, so haben doch auch Länder wie Spanien, Portugal oder Italien viele tolle Landschaften und Entdeckungen zu bieten.
Die naheliegendste Alternative ist aber natürlich Kanada. Vieles hier ist dem Schulwesen in den USA sehr ähnlich, doch gegenüber den Schulen im Land des südlichen Nachbarn haben die in Kanada sogar noch einige nicht zu unterschätzende Vorteile. So wird das Abschlusszeugnis einer Schule in der Provinz Ontario unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland als Zugangsberechtigung zur Hochschule anerkannt – das ist mit dem Highschool-Diplom aus den USA kaum möglich. Generell genießt das kanadische Schulsystem international einen guten Ruf und hat ebenso wie die USA Privatschulen mit hervorragender Ausstattung und einem sehr guten Angebot im Bereich von Sport und Freizeit zu bieten. Und: Nicht selten sind die Schulgebühren an kanadischen Schulen sogar deutlich niedriger als an denen in den USA.
FAQ
Ist es noch zu empfehlen, ein Auslandsjahr in den USA unter Trump zu machen?
Ein Auslandsjahr in den USA ist immer eine Empfehlung, weil es jede Persönlichkeit bereichert. Die Politik der Trump-Regierung hat keine Auswirkungen auf Angebot, Vorteile und Atmosphäre an privaten Internaten in den USA.
Muss man etwas beachten, wenn man in den USA zur Schule gehen möchte?
Angesichts der Verschärfung der Politik im Bereich Zuwanderung ist es ratsam, bei der Vorbereitung der Einreise besonders wachsam zu sein und die Vollständigkeit der Unterlagen zu kontrollieren. Im Schulalltag sind dagegen keine besonderen Verhaltensweisen zu beachten.


