Auslandsjahr USA unter Trump?

Ein Auslandsjahr in Amerika – trotz Trump?

Seit Jahrzehnten ist ein Auslandsjahr in Amerika ein Traum von vielen Schülerinnen und Schülern. Und schon immer war dieser Plan mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden. Aber es gab wohl selten mehr Unsicherheiten im Hinblick auf einen Aufenthalt in Amerika als seit der erneuten Amtsübernahme durch Donald Trump. Dessen Regierung hat sich vor allem die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen im Themenbereich der Migration vorgenommen und hat dabei an verschiedenen Stellen angesetzt. Macht ein Auslandsjahr in Amerika trotz Trump noch Sinn? Was muss man beachten, welche Regeln gelten neu und was spricht trotzdem für ein Auslandsjahr in den USA? Hier sind Antworten und Einschätzungen auf diese und ähnliche Fragen.

 

Hintergrund: Das Studenten- und Schülervisum für die USA

Wer für ein High-School-Jahr an einem amerikanischen Internat in die USA einreisen und sich dort aufhalten möchte, benötigt dafür ein Visum der Kategorie F-1. Dieses Visum bekommt man mit dem Immatrikulationsnachweis einer amerikanischen Highschool oder Universität, dem Nachweis ausreichender Englischkenntnisse und dem Nachweis ausreichender Finanzmittel, um alles rund um den Aufenthalt bezahlen zu können.

Das F-1-Visum wird nur dann ausgestellt, wenn der Antragsteller in die Datenbank SEVIS eingetragen ist und es bleibt auch nur solange gültig, wie der Eintrag bestehen bleibt. SEVIS steht dabei für das „Student and Exchange Visitor Program“, das vom Department of Homeland Security verwaltet wird. Ist hier eine Eintragung erfolgt, wird das Formular I-20 zur Bestätigung ausgestellt, das bei der eigentlichen Visumsbeantragung vorgelegt werden muss. Private Internate haben in aller Regel die Berechtigung erworben, Datensätze im SEVIS anzulegen.

 

Konsequenzen aus dem Fall Harvard

Neben der Abriegelung der Außengrenzen richtet sich die Aufmerksamkeit der Regierung Trump beim Thema Migration auch auf Menschen, die sich schon im Land aufhalten und dabei auch auf solche Personen, die – nach Ansicht der US-Regierung – eine Gefahr für die innere Sicherheit darstellen. Letzteres war der Auslöser für die heftige Auseinandersetzung der Trump-Regierung mit der Harvard University. Trump warf der renommierten Universität vor, nicht genug gegen israelfeindliche Proteste auf ihrem Campus unternommen zu haben und veranlasste unter anderem, dass Harvard der Zugang zu SEVIS gesperrt wurde. Die unmittelbare Konsequenz daraus war, dass die Visa der von der Harvard University in dem System eingetragenen Studentinnen und Studenten auf einen Schlag nicht mehr gültig waren. Dieser konkrete Fall liegt nach der einstweiligen Verfügung einer Bundesrichterin auf Eis. Er zeigt aber, dass die Regierung Trump unter Umständen zu ungewöhnlichen Hebeln greift, um ihre Politik durchzusetzen.

Eine Konsequenz aus diesem Fall ist eine erhöhte Vorsicht der Schulen. Die Berechtigung zum Eintrag in SEVIS ist ein hohes Gut, das die Schulen nicht verlieren wollen. Aus diesem Grund versuchen sie mitunter, schon im Vorfeld der Eintragung die Gefahr zu minimieren, dass ein dort gemeldeter Schüler von den Behörden abgelehnt wird. Es ist daher möglich, dass schon im Rahmen des Bewerbungsverfahrens Fragen gestellt werden, die Klarheit hinsichtlich der Kriterien der Visumsvergabe bringen sollen.

 

Visumsantrag und Einreise

In der Folge der Auseinandersetzungen der US-Regierung mit Harvard hat das Außenministerium im Juni 2025 neue Regeln für die Vergabe von Visa in den Kategorien F, J und M, die sich auf den Besuch von Bildungseinrichtungen verschiedener Arten beziehen, erlassen. Die neue Anweisung an die Konsularbeamten sieht vor, dass diese die Social-Media-Konten aller Antragsteller auf „feindselige Einstellungen gegenüber Volk, Kultur, Regierung und Institutionen“ hin überprüfen sowie auf Antisemitismus und mögliche „Unterstützung ausländischer Terroristen“. Zu diesem Zweck müssen die Antragsteller ihre Konten in den sozialen Medien öffentlich zugänglich machen und diese bei der Antragstellung benennen. Wird dies nicht getan, so die Anweisung weiter, so ist dies als „Zurückhalten wichtiger Informationen“ zu bewerten.

Die Einschätzung, welche Äußerung in sozialen Medien in die genannten Kategorien fällt, obliegt den Konsularbeamten. Die direkte Folge davon dürfte sein, dass sich der Antragsprozess deutlich verlängert, da die Beamten nun mehr Zeit aufwenden müssen, um einen Antrag zu bearbeiten. Mit dem Antrag sollte daher zukünftig noch früher als bisher begonnen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Maßnahme in erster Linie auf Anträge von Bewerbern zielt, die an ein College oder eine Universität gehen wollen, nicht auf solche, bei denen es um den Besuch einer High School geht.

Dennoch: Wer sich in sozialen Netzwerken häufig und in negativer Weise über Amerika oder die Regierung Trump geäußert hat oder wer sich „in extremistischer Form“ pro-palästinensisch geäußert hat, läuft Gefahr, den Visumsantrag abgelehnt zu bekommen. Darüber hinaus kann auch am Einreiseflughafen noch eine weitere Überprüfung erfolgen. Ein ausgestelltes Visum garantiert noch keine Einreise. Findet der Grenzbeamte solche Einträge, kann der Grenzübertritt immer noch verweigert werden. Dasselbe gilt, wenn die Beamten den Verdacht haben, dass man in den USA einer Arbeit nachgehen möchte oder den Aufenthalt über den genehmigten Zeitraum hinaus ausdehnen möchte. Ein ausgestelltes Rückflugticket gehört daher immer zu den Dokumenten, die man parat haben sollte.

 

Trump und das Department of Education

Bereits im Wahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, das Bildungsministerium schließen zu wollen. Die Idee ist nicht neu, Teile der republikanischen Partei sprechen sich schon seit Jahrzehnten für eine Schließung des Departments of Education aus. Offiziell wird das Vorhaben damit begründet, dass Bildung und Schule Aufgaben der Bundesstaaten sind und ein landesweites Ministerium daher unnötig Geld koste. In Wahrheit dürfte aber dahinterstecken, dass der sehr konservative oder christlich-fundamentale Teil der republikanischen Wählerschaft gegen allzu progressive Lehrpläne und Diversitätsvorgaben für die Schulen ist und daher die Verantwortung lieber komplett in die Hände der Bundesstaaten oder Kommunen legen möchte.

De facto ist das Bildungsministerium heute (Stand: Januar 2026) zwar nicht geschlossen, aber komplett ausgehöhlt. Zuvor lag ein Großteil seiner Aufgaben auf dem Gebiet der Verteilung von Fördergeldern. Privatschulen sind hiervon nicht betroffen, so dass die Änderungen im Ministerium keine großen Auswirkungen auf diese haben. Allgemein ausgedrückt, spielt Trump auf dem Campus eines privaten Internats keine wichtige Rolle. Die meisten Privatschulen befinden sich in demokratisch regierten Bundesstaaten und generell herrscht an diesen Schulen in den weitaus meisten Fällen eine progressive, liberale Atmosphäre. Dazu muss man auch bedenken, dass private Schulen selbstverständlich ein Interesse daran haben, dass Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland zu ihnen kommen. Sie werden sich daher sehr darum bemühen, ihr Angebot und ihren Lehrplan nicht politisch beeinflussen zu lassen.

 

ICE und Razzien auf der Suche nach illegalen Migranten

Unter den vielen Schlagzeilen und Berichten, die in der Amtszeit der Trump-Regierung nach Europa schwappen, sorgen besonders die Meldungen rund um ICE für Aufsehen. ICE steht dabei für Immigration and Customs Enforcement, ist also eine Art Polizeibehörde unter dem Dach des Heimatschutzministeriums. Diese Behörde wurde in Trumps zweiter Amtszeit massiv ausgebaut und hat ihr Personal verdoppelt. Es kommt immer wieder zu großangelegten Razzien, bei denen gezielt nicht einheimisch aussehende Menschen aufgegriffen und befragt werden. Solche Zugriffe erfolgen in der Regel an Arbeitsplätzen und anderen Orten, an denen viele Migranten vermutet werden. Privatschulen zählen nicht zu den Orten, an denen solche Razzien stattfinden. Darüber hinaus sind die meisten der Internate in den USA eher ländlich gelegen und nicht unmittelbar in Ballungsräumen. Wenn internationale Schüler den Campus verlassen, ist es dennoch anzuraten, den Reisepass mit dem Visum mitzuführen, um sich gegebenenfalls ausweisen zu können.

 

Auslandsjahr in den USA unter Trump: Chance oder Risiko?

Die vielen und immer wieder neu aufkommenden Meldungen rund um das Thema Migration und Visum sorgen verständlicherweise für viel Verunsicherung bei europäischen Schülerinnen und Schülern, die ein Auslandsjahr an einem amerikanischen Internat verbringen wollen. Allerdings richten sich diese Maßnahmen in erster Linie gegen migrantische Arbeitnehmer. Über diese Unsicherheit darf man aber nicht die unbestreitbaren Vorteile eines solchen Auslandsjahres vergessen. Ein Schuljahr im Ausland ist ein großer Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung und vermittelt Dinge wie Teamgeist, Selbständigkeit, Kompromissbereitschaft und interkulturelle Kompetenz. Es ist darüber hinaus natürlich der beste Weg, um sehr gutes und sicheres Englisch zu lernen. Ein High-School-Jahr am Internat in Amerika ist eine große Chance für alle jungen Leute, die sich noch viele Jahre später bezahlt macht.

Während des Auslandsjahres am Internat befinden sich Schülerinnen und Schüler aus dem Ausland hauptsächlich auf dem Schulgelände und haben stets Ansprechpartner und Betreuer verfügbar. Dieses sind geschützte Räume, in denen auch offen und kontrovers diskutiert werden darf und in denen die Atmosphäre dieselbe ist wie früher. Das Erlebnis Campus ist noch immer unverändert intakt. Die amerikanischen Internate freuen sich über internationale Impulse und Perspektiven und werden alles dafür tun, damit sich die nicht-einheimischen Schülerinnen und Schüler in jeder Hinsicht wohlfühlen können. Wer an einer Boarding School in den USA aufgenommen wurde, braucht sich keine Sorgen zu machen.

Trotzdem sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  • Bei der Beantragung des Visums sollte man peinlich genau darauf achten, dass alle Angaben auf wirklich allen Dokumenten übereinstimmen. Das gilt auch für Namen und Bezeichnungen, die mit Umlaut oder ß geschrieben werden.
  • Vor der Beantragung noch einmal überprüfen, ob Social-Media-Postings missverständlich oder Grund für eine Ablehnung sein könnten. Das komplette Löschen aller Social-Media-Accounts ist eher nicht zu empfehlen, da die Konsularbeamten davon ausgehen werden, dass junge Leute mindestens ein Konto in sozialen Netzwerken aktiv nutzen. Auch das komplette Säubern eines solchen Accounts wirkt eher verdächtig.
  • Für die Einreise in die USA noch einmal alle Unterlagen, die für die Beantragung des Visums vorgelegt werden mussten, ausdrucken und in einem Hefter mitnehmen.
  • Bei der Einreise am Flughafen alle Fragen der Grenzbeamten wahrheitsgemäß beantworten, bei Unsicherheiten oder Verständnisschwierigkeiten lieber noch einmal nachfragen.
  • Die Ankunftszeit und Flugnummer im Vorfeld der Schule mitteilen.
  • Bei Ausflügen in Städte von politischen Demonstrationen fernbleiben.
  • Sehr wichtig: Auf keinen Fall länger im Land bleiben als es das Visum erlaubt.

 

Die meisten dieser Regeln galten eigentlich schon immer, aber es ist, gerade bei Schülerinnen und Schülern, die vielleicht schon Routine mit den Einreiseprozeduren haben, sicher gut, diese in diesen Tagen besonders zu beherzigen.

 

Alternativen zum Auslandsjahr in den USA

Für viele Familien, die sich mit dem Gedanken eines Schuljahrs im Ausland beschäftigen, rücken angesichts der vielen Diskussionen zunehmend auch andere Länder ins Blickfeld. Selbstverständlich sind die USA ein besonderes Ziel, das nicht einfach beliebig austauschbar ist, aber andererseits kann man viele der Ziele und Erwartungen, die an einen Schulaufenthalt dort geknüpft sind, auch in anderen Ländern erreichen. Internationale Schulen an anderen Orten bieten den Schülerinnen und Schülern ebenfalls eine englischsprachige Umgebung, in der sich die Sprachkenntnisse verbessern lassen. Hinzu kommt, dass auch andernorts kleine Klassen, motivierte Lehrkräfte und gut ausgestattete Lehrräume und Labore zu finden sind. Sport und Freizeitangebote gehören auch an Internaten außerhalb der USA selbstverständlich mit zum Angebot, auch wenn die Amerikaner in dieser Hinsicht zugegebenermaßen meist etwas mehr zu bieten haben. Und nicht zu vergessen; Auch wenn es nicht die USA sind, so haben doch auch Länder wie Spanien, Portugal oder Italien viele tolle Landschaften und Entdeckungen zu bieten.

Die naheliegendste Alternative ist aber natürlich Kanada. Vieles hier ist dem Schulwesen in den USA sehr ähnlich, doch gegenüber den Schulen im Land des südlichen Nachbarn haben die in Kanada sogar noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Denn das Abschlusszeugnis einer Schule in den Provinzen Ontario und British Columbia wird unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland als Zugangsberechtigung zur Hochschule anerkannt – das ist mit dem Highschool-Diplom aus den USA kaum möglich. Generell genießt das kanadische Schulsystem international einen guten Ruf und hat ebenso wie die USA Privatschulen mit hervorragender Ausstattung und einem sehr guten Angebot im Bereich von Sport und Freizeit zu bieten. Und: Nicht selten sind die Schulgebühren an privaten kanadischen Internaten sogar deutlich niedriger als an denen in den USA.

 

 

FAQ

 

Ist es noch zu empfehlen, ein Auslandsjahr in den USA unter Trump zu machen?

Ein Auslandsjahr in den USA ist immer eine Empfehlung, weil es jede Persönlichkeit bereichert. Die Politik der Trump-Regierung hat keine Auswirkungen auf Angebot, Vorteile und Atmosphäre an privaten Internaten in den USA.

 

Muss man etwas beachten, wenn man in den USA zur Schule gehen möchte?

Angesichts der Verschärfung der Politik im Bereich Zuwanderung ist es ratsam, bei der Vorbereitung der Einreise besonders wachsam zu sein und die Vollständigkeit der Unterlagen zu kontrollieren. Im Schulalltag sind dagegen keine besonderen Verhaltensweisen zu beachten.

 

Solange Trump Präsident ist, möchte ich nicht in die USA. Welche Alternativen gibt es für ein Schuljahr im Ausland?

Die wohl beste Alternative sind Internate in Kanada. Dort sind sogar die Schulgebühren oft niedriger als in den USA. Daneben gibt es auch in anderen Ländern, etwa in Europe, Möglichkeiten für ein Schuljahr im Ausland.

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