Im Zusammenhang mit dem Begriff „Internat“ kursieren verschiedene Vorstellungen. In früheren Zeiten wurden Internate manchmal mit strenger Erziehung assoziiert, manchmal gibt es auch das Bild von den sogenannten Eliteschulen und in jüngerer Zeit kamen die Vorstellungen dazu, die von den Harry-Potter-Büchern inspiriert worden sind. Aber welches Bild stimmt denn nun? Wie ist das Leben am Internat? Für wen ist es geeignet und für wen nicht? Wie erlebt man Schule und Freizeit am Internat und: Wie kommt man überhaupt auf ein Internat in Amerika?
Lernen und leben
Um das Leben an einem Internat in Amerika zu verstehen, muss man zunächst einmal einen Blick darauf werfen, was ein Internat überhaupt ist. Eine Internatsschule, in Amerika heißt sie Boarding School, ist eine Schule, die neben dem Unterrichtsangebot auch Wohnunterkünfte für ihre Schülerinnen und Schüler bietet. Ursprünglich ist die Idee für eine solche Schule wohl entstanden, weil in früheren Zeiten für eine Tätigkeit im Dienst von Herrschern oder der Kirche eine umfassendere Erziehung erforderte, als das den Eltern möglich war. Zudem war die Zahl der Schulen früher ohnehin oft begrenzt, so dass in manchen Gegenden gar nichts anderes übrigblieb, als das Kind in die Obhut einer entfernt gelegenen Schule zu geben.
In der modernen Zeit gibt es diese Gründe zwar nicht mehr, dafür sind aber unzählige neue Argumente für Internate hinzugekommen. Internate in Amerika sind heute häufig keine reinen Boarding Schools, sondern bieten den Schulbesuch sowohl für Internatsschüler an als auch für solche, die in der Nähe wohnen und nach dem Unterricht nach Hause gehen. Ebenfalls ist die Internatsoption oft nur für Schülerinnen und Schüler in den älteren Jahrgängen geöffnet.
Was erwartet mich am Internat in Amerika?
Internate in Amerika sind also Orte, an denen sowohl Schule als auch Freizeit stattfinden. In Amerika sind diese beiden Bereiche ohnehin schon enger miteinander verknüpft als das in Europa üblich ist und die Boarding Schools haben dieses System perfektioniert. Auf dem Gelände eines Internats in Amerika findet man daher in der Regel
- Klassenräume und naturwissenschaftliche Labore
- Boardinghäuser, also die Unterkünfte der Schülerinnen und Schüler
- Sportfelder, Sporthallen
- Musikräume, Kunstateliers, Theaterbühne
- Gemeinschaftsräume
- Verwaltungsbüros
Wie großzügig und vielseitig diese Einrichtungen zu finden sind, ist unter anderem vom vorhandenen Platz abhängig. Einige Internatsschulen befinden sich mitten in einer Stadt, so dass alles etwas komprimierter ist. Häufig befinden sich Internate in Amerika aber eher in einem ländlichen Umfeld oder in einem Vorort und so gibt es Boarding Schools, die sich über wirklich riesige Gelände erstrecken und wo sich zum Beispiel kleine Wälder oder Teiche mit auf dem Campus befinden. Auch auf solchen, größeren Geländen finden sich alle aber nach kurzer Zeit gut zurecht.
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die im Internat leben, kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt Schulen, die nur etwa 50 Plätze in den Boardinghäusern haben, was den Vorteil hat, dass man schnell alle kennenlernt und Freundschaften schließen kann. Andere Schulen sind fast ausschließlich Internate, es gibt also nur wenige Schülerinnen und Schüler, die abends nach Hause gehen. An solchen amerikanischen Internaten kann es auch schon mal 300 oder mehr Boardingschüler geben.
Mit anderen zusammenleben
Internate in Amerika sind für die einheimischen Schülerinnen und Schüler so etwas wie die Vorstufe zum College. Mit dem Eintritt ins College verlassen viele junge Amerikaner zum ersten Mal das elterliche Zuhause. Eine Boarding School kann also dazu beitragen, dass sie diese Selbständigkeit erlangen, die am College dann umso mehr gefordert wird. Internationale Schülerinnen und Schüler, die ein Auslandsjahr an einem Internat in Amerika verbringen, kommen natürlich in den Genuss desselben Effekts. Generell vermag es das Leben am Internat, einige wichtige Fähigkeiten und Charaktereigenschaften zu vermitteln. Wer mit anderen zusammenlebt und sowohl den verpflichtenden als auch den Freizeitteil des Tages mit ihnen teilt, lernt zwangsläufig auch:
- Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit
- Eigenverantwortung
- Kompromissfähigkeit
- Teamwork
- Interkulturelle Kompetenzen
- Offenheit und Toleranz
- Selbstorganisation und Zeitmanagement
- Entscheidungsfähigkeit
Natürlich sind dies Kompetenzen, die auch an anderen Schulen gefördert werden, im Internat aber können sie noch gezielter gefördert werden, weil das Alltagsleben der Schülerinnen und Schüler hier an einem Ort verdichtet wird.
Tagesablauf im Internat in Amerika
An dieser Stelle lässt sich kein allgemeingültiger Ablaufplan darstellen, der an allen Internaten in Amerika gültig wäre. Dafür sind die Schulen zu unterschiedlich und in vielen von ihnen haben sich individuelle Traditionen und Gepflogenheiten entwickelt, die es an anderen Boarding Schools nicht gibt. In Amerika geht Schule immer bis in den Nachmittag hinein und so erstreckt sich auch an den Boarding Schools der Unterricht bis etwa 15 Uhr, natürlich mit Unterbrechung in der Mittagszeit.
Ein Tag am Internat in Amerika beginnt mit einem Frühstücksangebot in der jeweiligen Mensa der Schule. Vorher haben sich die Schülerinnen und Schüler in ihren Boardingzimmern für den Tag vorbereitet. Viele Internate haben Zimmer mit jeweils eigenem Badezimmer, in anderen teilt man sich das Bad mit den Mitschülern aus den Nachbarzimmern. An vielen Internaten in Amerika gibt es davor oder danach noch die „Chapel“, ein kurzes Treffen der ganzen Schulgemeinschaft, bei dem Neuigkeiten ausgetauscht und Informationen weitergegeben werden. Dann folgen, je nach Stundenplanung der jeweiligen Schule, zwei oder mehr Unterrichtsblocks, bevor sich alle wieder zum gemeinsamen Mittagessen treffen. Danach gibt es wieder Unterricht und am Nachmittag treffen sich die Sportteams zum Training. Später ist dann noch Zeit für die Treffen von Clubs und nach dem gemeinsamen Abendessen ist in der Regel eine feste Zeit zum Lernen und für die Hausaufgaben vorgesehen. Zu dieser Zeit stehen auch die Lehrkräfte und andere Berater und Ansprechpartner zur Verfügung, um Hilfestellung zu geben oder Fragen zu beantworten.
Eine Woche am Internat in Amerika
Der Unterricht an den Internaten in den USA und Kanada findet in aller Regel von Montag bis Freitag statt. Hin und wieder gibt es Schulen, die von diesem üblichen Plan abweichen und an denen auch samstags unterrichtet wird; in solchen Fällen ist dann in der Regel am Mittwoch der Nachmittag frei. Die Internate in Amerika sind aber nicht nur der Ort, an dem gelernt wird, sondern auch der, an dem die Schülerinnen und Schüler leben und so bleiben diese an den Wochenenden natürlich nicht sich selbst überlassen, sondern haben auch am Samstag und Sonntag einen geregelten, allerdings entspannten, Tagesablauf. Für die Mahlzeiten ist auch dann gesorgt, wobei viele Schulen am Sonntag einen Brunch am Vormittag anbieten und dann wieder das gemeinsame Abendessen. Am Wochenende haben die Boardingschüler den großen Vorteil, die vielen Anlagen und Einrichtungen der Schule für sich allein zu haben und so finden spontane Basketballspiele statt oder man geht ins schuleigene Fitnesscenter oder nutzt die anderen Möglichkeiten. Darüber hinaus organisieren die Hauseltern an den Internaten in Amerika für die schulfreien Tage häufig gemeinsame Unternehmungen. Das können zum Beispiel Ausflüge in die nächstgrößere Stadt sein, um Museen, Sportveranstaltungen oder Theater zu besuchen oder auch einfach nur, um shoppen zu gehen. Auch auf dem Campus selbst gibt es Unternehmungen und in vielen Schulen ist es auch möglich, dass die Internatsschüler auf eigene Faust in die nähere Umgebung aufbrechen – das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt. Darüber hinaus freunden sich viele Boarder auch mit den einheimischen Schülerinnen und Schülern an und besuchen diese am Wochenende zu Hause.
Betreuung in jeder Hinsicht
Mit den Erfahrungen aus deutschen Schulen ist es für viele internationale Schülerinnen und Schüler oft erst einmal überraschend und ungewohnt, wie viel Betreuung sie an einem Internat in Amerika erleben. Die Lehrkräfte sind immer ansprechbar und stehen zur Verfügung, wenn man Fragen hat, etwas nicht verstanden hat oder Hilfe braucht. Das gilt sowohl für den Unterricht, in dem dank der kleinen Klassen jeder individuell Unterstützung erhält, als auch für die Zeit außerhalb des Klassenzimmers. In der „Study Hall“, also der täglichen Zeit für die Erledigung der Hausaufgaben, stehen ebenfalls immer Lehrkräfte zur Verfügung. Und sogar in der Freizeit begegnet man den Lehrern am Internat in Amerika: Oft leben diese ebenso wie die Boardingschüler zum Teil auf dem Schulgelände.
Auf jeden Fall sind die Schülerinnen und Schüler auch nach Unterrichtsschluss gut betreut. Die Boardinghäuser haben immer Hausaltern, also Betreuer, die für alle Themen außerhalb des Unterrichts zuständig sind und sich um kleinere und größere Probleme kümmern. An größeren Schulen gibt es ein ganzes Team für diesen Themenbereich, die zum Beispiel auch für An- und Abreise, gemeinsame Unternehmungen und den Kontakt zu den Eltern zuständig sind. Dazu kommen die Coaches der Sportteams, die Schulkrankenpfleger und weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Verwaltungsbereich der Schule, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Wer nach dem Besuch des Internats in Amerika an eine Uni wechseln möchte, kann zudem auf die Hilfe der College-Berater setzen, die dafür sorgen, dass Zeugnisse, Kursauswahl und Bewerbung für die Hochschule optimiert werden.
Fazit: Leben am Internat in Amerika
Es besteht kein Zweifel, dass der Wechsel an ein Internat in Amerika für die meisten Schülerinnen und Schüler, die aus einer deutschen Schule gekommen, eine große Umstellung bedeutet. Doch diese Umstellung ist eine positive, denn sowohl was die Lehre, als auch was die Ausstattung der Schulen angeht, sind Privatschulen in Amerika den staatlichen Schulen in Deutschland weit voraus. Der Besuch eines Internats ist für die meisten Schülerinnen und Schüler automatisch eine neue Erfahrung, weil hier ganz andere Lebensbereiche unter dem Dach der Schule integriert werden. Dieser Umstand ist den Internaten natürlich bewusst und so wird alles dafür getan, damit sich die Schülerinnen und Schüler gut aufgehoben fühlen. Trotz der umfangreichen und rund um die Uhr verfügbaren Betreuung sind Internate aber immer auch Orte, an denen die jungen Menschen reifen und sich weiterentwickeln. Das Erlernen von Eigenverantwortung, Selbständigkeit und Verantwortlichkeit sind wichtige Bausteine auf dem Weg ins Leben eines Erwachsenen, die aber nicht auf dem Lehrplan stehen. In der heterogenen Gemeinschaft eines Internats in Amerika entwickeln sich solche Fähigkeiten besonders gut – ebenso wie Talente in Sport, Musik oder Kunst. Das Leben am Internat in Amerika ist so auf vielen Ebenen eine gewinnbringende Erfahrung, die die Schülerinnen und Schüler noch viele Jahre nach der Rückkehr begleiten und bereichern wird.
FAQ
Wie ist das Leben am Internat in Amerika?
Amerikanische Internate bieten strukturierte Tagesabläufe und eine umfassende Betreuung, lassen zugleich aber auch viele Freiräume. Neben gutem Unterricht und vielen Möglichkeiten für die Freizeit wird auch die Entwicklung der Persönlichkeit in vielerlei Hinsicht gefördert.
Ist jeder für ein Internat in Amerika geeignet?
Alle amerikanischen Internate verlangen im Bewerbungsprozess einen Einblick in die schulischen Leistungen und einige sind selektiver als andere. Neben der akademischen Qualifikation sollten Bewerberinnen und Bewerber für ein Internat auch eine gewisse Offenheit, Selbständigkeit und Eigenverantwortung mitbringen.
Welche Vorteile haben Internate in Amerika?
Internate haben den Vorteil, dass sie eine Komplettlösung anbieten. Schüler aus Europa, die ein Auslandsjahr in Amerika verbringen wollen, bekommen hier Schule, Unterkunft, Verpflegung und Freizeitaktivitäten aus einer Hand und werden jederzeit betreut.


