Mädchenschulen – pro und contra
Unter den privaten Internaten in den USA und Kanada finden sich eine Reihe von Schulen einer Art, wie man sie in Europa recht selten findet: Reine Jungen- und reine Mädchenschulen. Die meisten Schülerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürften sich im Vorfeld noch keine Gedanken darüber gemacht haben, ob eine reine Mädchenschule für sie überhaupt interessant wäre. Dabei zeigt sich bei einem genauen Blick schnell: Mädchenschulen haben durchaus Vorteile – und sie sind bei Weitem nicht so eindimensional wie man vielleicht manchmal vermuten könnte.
Sind Mädchenschulen ein Relikt der Vergangenheit?
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass das Bestehen von Mädchenschulen nicht unbedingt ein Gruß aus der Vergangenheit sein muss. Gegen Ende des Mittelalters war es nämlich der Regelfall, dass Jungen und Mädchen in den ersten Jahrgängen dieselbe Schule besuchten. Die Trennung erfolgte später, allerdings aus anderen Gründen: Den damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen folgend, blieb eine weiterführende Schulbildung, die mehr als grundlegende Fähigkeiten vermitteln sollte, den Jungen vorbehalten. Nur Familien, die es sich leisten konnten, schickten Mädchen auf eine weiterführende Schule. Das wandelte sich mit der Zeit etwas und ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es dann höhere Mädchenschulen, in denen es tatsächlich um akademische Bildung ging. Diese Angleichung der Lerninhalte führte dazu, dass spezielle Schulen nur für Mädchen spätestens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts überflüssig wurden und sie entsprechend bis auf ganz wenige Ausnahmen verschwanden. Das jedoch war nicht das Ende der Geschichte dieser Schulform.
Vorbehalte gegen eine Schule ohne Jungen
Bei der Überlegung, ob eine Mädchenschule in Frage kommt, werden immer wieder zwei wichtige Argumente dagegen genannt. Eines dieser Argumente kommt von den Schülerinnen selbst, die davon ausgehen, dass es ganz ohne Kontakt zu Jungen langweilig werden könnte und dass einfach etwas fehlen würde. Dieser Sorge kann man leicht begegnen: In den USA und Kanada sind da, wo Mädchenschulen sind, in aller Regel auch Jungenschulen nicht weit und beide Schulen sorgen dann meist für regelmäßige gemeinsame Projekte und Veranstaltungen. Zudem haben die Mädchen natürlich auch Freizeit außerhalb des Unterrichts und treffen in dieser Zeit auf Gleichaltrige beiderlei Geschlechts.
Das zweite verbreitete Argument bezieht sich darauf, dass Mädchenschulen sozusagen eine künstliche Umgebung schaffen, in der Mädchen nicht lernen, sich gegen Jungen zu behaupten. Spätestens mit dem Eintritt in die Uni oder ins Berufsleben müssen sie das aber können. Der Einwand ist nachvollziehbar, doch es gibt auch Gegenargumente. Denn tatsächlich lernen gerade die Schülerinnen einer Mädchenschule, ihre Ansichten zu formulieren und zu vertreten und sie sammeln Selbstbewusstsein durch die Tatsache, dass sie ihre Gedanken und Argumentationen frei entwickeln können.
Akademische Freiräume für junge Frauen
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es viele starke Hinweise darauf, dass es für Mädchen akademisch Vorteile bringt, im Unterricht nur von Geschlechtsgenossinnen umgeben zu sein. Es ist längst belegt, dass Jungen und Mädchen sich einer Aufgabe unterschiedlich nähern. Jungen sind impulsiver und stellen tendenziell schneller eine nicht vollständig durchdachte These in den Raum, während Mädchen eher erst einmal für sich nachdenken und dann eine stabilere These formulieren. Das Vorgehen der Jungen nimmt ihnen aber im Rahmen eines koedukativen Unterrichts oft den Raum, um ihre Gedanken zu entwickeln.
In anderen Worten: Mädchenschulen sind gut darin, ihren Schülerinnen den Freiraum zu geben, den sie brauchen, um sich einem Unterrichtsthema auf ihre Weise anzunähern. Dass sie das tun können, führt schließlich auch dazu, dass sich Schülerinnen an Mädchenschulen häufiger für naturwissenschaftliche und technische Fächer interessieren als an normalen Schulen – was wiederum zu besseren Karrierechancen führen kann.
Was Schülerinnen an einer Mädchenschule erwartet
Das kanadische und das amerikanische Schulsystem wurden in Anlehnung an das britische Schulwesen gegründet. Da im Vereinigten Königreich Jungen- und Mädchenschulen eine lange Tradition haben, wurden auch in Nordamerika zahlreiche solcher Schulen ins Leben gerufen und einige davon bestehen bis heute weiter. Wer eine solche Schule für das Auslandsjahr auswählt, darf sich auf eine Umgebung freuen, in der sie mit offenen Armen empfangen wird und in der sie Unterricht erlebt, der auf das Lerntempo und Lernverhalten von Mädchen zugeschnitten ist. Darüber hinaus sind die amerikanischen Privatschulen im Lehrbereich sehr gut ausgestattet, was den Unterricht lebendiger, ansprechender und greifbarer gestalten kann. In einer Schule, in der die Laboratorien und die technologisch ausgerüsteten Klassenzimmer dabei helfen, den Zugang zum Wissen zu erleichtern, stellen sich Lernerfolge einfacher ein. Denselben Effekt hat die Tatsache, dass an privat betriebenen Schulen die Klassen deutlich kleiner sind als an staatlichen und die Lehrkräfte so mehr Zeit dafür haben, jede Schülerin individuell zu fördern.
Daneben bieten die privaten Internate einen weiteren unschätzbaren Vorteil: Da sie nicht nur der Lern-, sondern auch der Wohnort der Schülerinnen ist, verstehen es diese Schulen sehr gut, die Freizeitinteressen mit dm akademischen Programm in Einklang zu bringen. Wer also den Musikunterricht, das Sporttraining oder die Leidenschaft fürs Theaterspielen weiter fortsetzen möchte, wird an einer amerikanischen Boarding School alle Möglichkeiten dazu haben. Die Schulen verstehen solche Aktivitäten außerhalb des Lehrplans ebenfalls als Teil des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung und bieten daher ein sehr gutes Umfeld auch für die Freizeitinteressen der Mädchen.
Mädchenschulen in Kanada und den USA kennenlernen
Viele Interessentinnen, die ein Auslandsjahr in Amerika planen, haben keinerlei Erfahrung mit Mädchenschulen und vielleicht auch noch keine klare Meinung dazu. Bei der Coimbra Schulberatung sprechen wir im ersten Gespräch ganz offen über alle zur Verfügung stehenden Optionen und können selbstverständlich auch gerne Mädchenschulen vorstellen. Denn tatsächlich sind diese in vielen Fällen eine gute Wahl, weil sie gut zu den individuellen Erwartungen der Schülerinnen passen.
Zu den guten Mädchenschulen in Amerika gehören zum Beispiel:
- Branksome Hall, Kanada
Wie viele andere Mädchenschulen hat auch Branksome Hall eine lange Tradition; die Schule gibt es seit mehr als hundert Jahren. Das allerdings merkt man ihr ganz und gar nicht an. Ganz im Gegenteil ist Branksome Hall ein Beispiel für eine ausgesprochen moderne Variante von Mädchenschulen. Die Schule ist in hochmodernen Gebäuden beheimatet und hat bestens ausgestattete Lehr- und Laborräume sowie einen multifunktionalen Sport- und Wellnesskomplex. Als neues Aushängeschild entsteht ein Innovation Center, an dem die Schülerinnen zum Beispiel mit KI und Augmented Reality arbeiten können.
- Chatham Hall, USA
Gelegen im Süden des Bundesstaats Virginia ist die Chatham Hall eine kleine Schule, zu deren Stärken unter anderem die besonders starke Boarding-Community gehört. Mehr als 90% der Schülerinnen leben im Internat, was dafür sorgt, dass die Mädchen schnell Anschluss finden. Bei einer durchschnittlichen Klassengröße von gerade einmal acht Schülerinnen ist zudem sichergestellt, dass alle die volle Aufmerksamkeit der Lehrkräfte bekommen und individuell gefördert werden können.
- St. Margaret’s School, Kanada
Private Internate in Amerika sind generell ein optimaler Einstiegspunkt für alle, die in den USA oder in Kanada auf die Uni gehen wollen. An der St. Margaret’s School, einer traditionsreichen Mädchenschule auf Vancouver Island, geht man noch einen Schritt weiter: Wer dort den Abschluss schafft, hat in einigen Fachgebieten bereits eine garantierte Zusage für einen Studienplatz an der University of Victoria. Mit besonders schönen Internatszimmern und einem umfangreichen Sportangebot, das speziell auf Mädchen zugeschnitten ist, ist die Schule eine interessante Alternative für alle Mädchen, die sich für den Westen Kanadas interessieren.
- Saint Mary’s School, USA
Eine der Stärken dieser Mädchenschule im Bundesstaat North Carolina im Süden der USA ist die Lage. Das Internat befindet sich auf einem ruhigen Grundstück mitten in der facettenreichen Hauptstadt des Bundesstaats, Raleigh. Die Region ist zugleich die Heimat mehrerer Top-Unis und Absolventinnen der Saint Mary’s School schaffen es, dank des guten akademischen Programms, regelmäßig an eine davon. Die Schule legt einen Fokus auf die Vermittlung von Führungsqualitäten für junge Frauen und ist darum bemüht, Fähigkeiten wie Kommunikation, Teamarbeit oder kritisches Denken zu fördern. - Linden Hall, USA
Diese Mädchenschule liegt in Pennsylvania, nicht weit von Philadelphia. Sie punktet unter anderem mit der schuleigenen Reitanlage, auf der zukünftige Profis ebenso trainieren wie Anfängerinnen. Die Schülerinnen der Linden Hall haben zudem die Möglichkeit, während ihrer Zeit am Internat eine Flugschule zu besuchen und den Pilotenschein zu machen. In akademischer Hinsicht hat die Schule Kooperationen mit mehreren Colleges in der Umgebung aufgesetzt, die es den Mädchen ermöglicht, schon während der Zeit an der High School Punkte fürs Studium zu sammeln.
Wie bei den anderen nordamerikanischen Privatschulen ist es auch bei den Mädchenschulen so, dass jede Einrichtung ihre eigenen Schwerpunkte und Akzente setzt, so dass auch hier ein individueller Abgleich mit den eigenen Erwartungen und Zielen einer jeden Schülerin nötig ist. Vor allem aber sind die Programme immer darauf ausgerichtet, speziell Mädchen zu fördern und ihnen das Rüstzeug für eine erfolgreiche Karriere mitzugeben.
FAQ
Welchen Vorteil haben Mädchenschulen?
Das besondere Merkmal von Mädchenschulen ist, dass sie den Lehrplan, den Unterricht und die Freizeitangebote speziell an die Bedürfnisse von jungen Frauen anpassen. Studien haben gezeigt, dass dies für Mädchen zu besseren schulischen Ergebnissen führen kann.
Hat man an Mädchenschulen auch Kontakt zu Jungen?
Mädchenschulen haben nichts gegen den Kontakt zu Jungen, sondern sehen lediglich Vorteile in einem getrennten Unterricht. Girls Schools in den USA und Kanada veranstalten daher regelmäßig gemeinsame Projekte und Veranstaltungen mit Jungenschulen.
Sind Mädchenschulen altmodisch?
Ganz und gar nicht. Mädchenschulen in Amerika zeigen sich sehr modern, haben sehr gut ausgestattete Lehr- und Freizeiteinrichtungen und eine offene, liberale Denkweise. Sie legen großen Wert auf Technologie und fortschrittlichen Unterricht, gerade weil sie jungen Frauen eine bestmögliche Vorbereitung auf Studium und Beruf ermöglichen wollen.


