Internationales Abitur: Was ist das IB?
Wann immer man sich mit einem neuen Themengebiet beschäftigt, lernt man unweigerlich neue Begriffe und Abkürzungen kennen. Das ist auch so, wenn man sich über ein Schuljahr im Ausland informiert. In diesem Feld stößt man schnell auf das International Baccalaureate, abgekürzt IB. Dabei handelt es sich um eine Art internationales Abitur. Doch was ist das IB genau? Welche Vorteile, welche Nachteile bringt es mit sich? Und wie und wo kann man den IB-Abschluss erreichen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es in diesem Artikel.
Hintergrund: Wie das IB entstand
Was ist das IB? Wer diese Frage beantworten will, muss einen Blick in die Geschichte werfen. Das Programm entstand Mitte der 60er Jahre, als die westliche Welt nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs wieder näher zusammenrückte. Ein Team aus Pädagogen an der internationalen Schule in Genf entwarf damals eine Struktur für ein überall in der Welt gleichermaßen anerkanntes Abschlussdiplom. Das Ziel war anfangs, jenen Schülerinnen und Schülern eine einheitliche Schulausbildung anzubieten, deren Eltern beruflich bedingt an unterschiedlichen Orten in der Welt tätig waren. Die erste Version des IB ging im Jahr 1968 an den Start.
Eine globale Erfolgsgeschichte
Seit den Anfängen hat sich das International Baccalaureate deutlich weiterentwickelt. Es hat heute nicht nur das Diplom-Programm, mit dem es ursprünglich an den Start gegangen war, sondern auch einen Unterbau für die früheren Schuljahre. Vor allem aber ist die Zahl der Schulen, die eine oder mehrere Stufen des IB anbieten, immer weiter gestiegen. Das Programm, das nach wie vor von einer Stiftung in der Schweiz organisiert wird, ist heute an Schulen in 160 Ländern zu finden. Insgesamt bieten mehr als 6000 Schulen weltweit einen oder mehrere Teile des International Baccalaureate an.
Damit hat das IB genau das geschafft, was in der ursprünglichen Konzeption vorgesehen war. Das International Baccalaureate hat heute weltweit Akzeptanz gefunden. Es gibt nicht nur viele Schulen, die sich dem Programm verschrieben haben, sondern auch die Universitäten wissen das Diplom zu schätzen.
Was ist das IB? Das Programm und seine Abschnitte
Anfangs war das IB-Programm nur mit einem Programm für die letzten Schuljahre bis zum Abschluss gestartet. Dieser Teil, der heute unter der Bezeichnung „Diploma Programme“ läuft, ist nach wie vor der wichtigste Abschnitt des International Baccalaureate. Betrachtet man die Gesamtzahl der Schulen, die das IB anbieten, so haben die weitaus meisten davon das Diplom-Programm. Alle teilnehmenden Schulen haben die Wahl, ob sie nur einen Abschnitt des IB oder mehrere anbieten wollen. Im Einzelnen sind dies:
Primary Years Programme (PYP)
Das von der IB-Organisation betriebene Einstiegsprogramm richtet sich an Schülerinnen und Schüler zwischen 3 und 12 Jahren, greift also bereits ab der frühkindlichen Erziehung. Es soll dazu dienen, die Schüler auf die folgenden Programmabschnitte vorzubereiten und den Übergang in die Abschnitte für die älteren Schüler zu erleichtern, ist dafür aber keine zwingende Voraussetzung. Das IB-Frühprogramm ist vergleichsweise selten zu finden.
Middle Years Programme (MYP)
Das Programm für Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 16 dient der Vorbereitung auf das darauffolgende Diplom-Programm, das dann zum Schulabschluss führt. Entsprechend sind in diesem Abschnitt Unterrichtsinhalte aus allen acht Themengruppen des International Baccalaureate enthalten und auch die Zusatzelemente des IB sind bereits verfügbar. Das MYP kann optional mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Es ist aber üblich, die Schullaufbahn danach im Diplom-Programm fortzusetzen.
Diploma Programme (DP)
Der Abschnitt, der zum Schulabschluss hinführt, ist der älteste und ursprüngliche Bestandteil des IB. Es erstreckt sich über die letzten beiden Schuljahre, kann also die elfte und zwölfte oder die zwölfte und 13. Klasse abdecken. Diese beiden Jahre führen zu den Abschlussprüfungen, Die Endnote für das International Baccalaureate ergibt sich dann, ähnlich wie beim deutschen Abitur, aus der Bewertung der beiden Unterrichtsjahre und aus den Leistungen in der Diplomprüfung. Diese Abschlussprüfung wird in jeder der sechs Fächergruppen, aus denen das IB-Programm besteht, geschrieben.
Wert und Wertschätzung für das IB
Alle Schulen, die das IB oder einen Teil des Programms anbieten, müssen sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Die International Baccalaureate Organization überprüft den Unterricht, die Aufgabenstellungen und die Lehrpläne und führt Interviews mit allen Beteiligten, von den Schülern bis zu den Eltern und Lehrern. Auf diese Weise wird eine gleichbleibend hohe Qualität des Programms sichergestellt und dies ganz unabhängig davon, an welchem Ort auf der Welt das IB angeboten wird. Die Zulassungsbüros von Hochschulen überall in der Welt können mit einem IB-Diplom etwas anfangen und können sich darauf verlassen, dass es unter strikter Einhaltung der Standards erlangt worden ist.
Welche Fächer belegt man für das IB-Diplom?
Es gehört zu den Stärken des IB-Diploms, dass es eine breite Palette von Lerngebieten abdeckt. Gleichzeitig ermöglicht das Programm aber auch eine Fokussierung auf bestimmte Themen, etwa im Hinblick auf ein nachfolgendes Studium oder die Karriereplanung. Damit ist das IB dem deutschen Abitur nicht unähnlich. Für das Diplom müssen drei Fächer auf dem „Higher Level“ mit erhöhter Stundenzahl belegt werden, also ähnlich wie ein Leistungskurs. Drei weitere Fächer kommen als Grundkurse auf „Standard Level“ hinzu. Diese insgesamt sechs Fächer müssen fünf Fächergruppen abdecken, ein sechstes Fach ist frei wählbar.
- Gruppe 1: Sprache und Literatur
In dieser Gruppe geht es um die Muttersprache des Lernenden. Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Literatur aus der jeweiligen Sprache
- Gruppe 2: Fremdsprache
In diesem Gebiet beschäftigen sich die Schüler entweder intensiver mit einer lebenden Fremdsprache, mit der man vorher begonnen hat (Language B) oder beginnen das Erlernen einer neuen Fremdsprache. Eine weitere Option sind klassische Sprachen, also Latein oder Altgriechisch.
- Gruppe 3: Gesellschaftswissenschaften
Hier finden sich Fächer wie Geschichte, Erdkunde, Politik oder Wirtschaft, aber auch Lehrangebote wie Philosophie, Anthropologie, Business Management oder Digitale Gesellschaft. Auch Psychologie und Religion gehören zu dieser Gruppe.
- Gruppe 4: Naturwissenschaften
Neben den klassischen Fächern Chemie, Biologie und Physik gehören zu dieser Gruppe auch Informatik, Umwelt- und Sportwissenschaften sowie Designtechnologie.
- Gruppe 5: Mathematik
Diese Gruppe besteht nur aus zwei Varianten, von denen für das Diplom aber auch nur eine gewählt werden darf; das sechste Fach darf also nicht der andere Mathematik-Kurs sein. Gewählt wird zwischen der eher theoretischen Variante „Analysis and Approaches“ und der praktischer ausgerichteten „Applications and Interpretations“.
- Gruppe 6: Künste
Hier sind alle Formen der bildenden und darstellenden Kunst vertreten, also auch Film, Theater, Tanz und Musik.
Jede Schule, die das IB-Diplom anbieten möchte, muss alle sechs Fächergruppen abdecken. Sie muss aber nicht jedes erdenkliche Fach aus diesen Gruppen anbieten. Hierin liegt also ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen IB-Schulen.
Ebenfalls abgedeckt sein müssen die sogenannten Kernbereiche des IB:
- Theory of Knowledge (TOK)
In diesem separaten Schulfach geht es um das Lernen und Wissen an sich. Die Schüler lernen etwa, Wissen zu hinterfragen und Fakten zu recherchieren und zu verifizieren.
- Creativity, Activity, Service (CAS)
Mit diesem Baustein öffnet sich das IB über das reine akademische Lernen hinaus. Die Schüler sollen sich kreativ oder sportlich beschäftigen oder sich für allgemeinnützige Zwecke engagieren.
- Extended Essay (EE)
Um das IB-Diplom und damit die Berechtigung für die Aufnahme eines Studiums zu erlangen, müssen die Schüler demonstrieren, dass sie in der Lage sind, nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten. Das geschieht mit dem Extended Essay. In diesem setzt sich der Schüler ausführlich mit einem Thema aus einem seiner sechs gewählten Fächer auseinander.
Das IB im Auslandsjahr in Amerika
Die weltweit für alle akkreditierten Schulen geltenden Standards im Rahmen des IB machen es möglich, dass man ohne große Umgewöhnung von einer IB-Schule zu einer anderen wechseln kann. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die neue Schule dieselben Fächer anbietet, die der Schüler zuvor schon belegt hat. Im Fall eines Auslandsjahrs in Amerika kann aber oft auch mit Online-Kursen eine Aushilfslösung gefunden werden, sollte ein bestimmtes Fach nicht vor Ort angeboten werden.
In jedem Fall ist bei einem nur vorübergehenden Aufenthalt an einer IB-Schule in Amerika aber eine Absprache mit der heimischen Schule nötig. Dort sollen nach der Rückkehr schließlich die Prüfungen für das IB-Diplom abgehalten werden. So sollte man im Vorfeld etwa die Lehrpläne in den gewählten Fächern miteinander vergleichen: Es steht den Schulen frei, die Inhalte in einem Fach in einer selbstgewählten Reihenfolge zu unterrichten. Für Schüler im Auslandsjahr kann das bedeuten, dass die Schule zuhause gerade mit den Themen A und B beschäftigt ist, während er in Amerika C und D lernt. Zudem ist auch ein Blick auf die „Internal Assessments“ (IA) nötig. Sind die Lehrkräfte an der heimischen Schule damit einverstanden, die im Ausland begonnenen Projektarbeiten weiterzuführen und zu bewerten? Es gibt an jeder IB-Schule in den USA und Kanada einen IB-Koordinator, mit dem man solche Themen besprechen und der bei der Abstimmung mit der entsendenden Schule unterstützen sollte. Amerikanische Internate, die für ein Auslandsjahr zur Verfügung stehen, haben in der Regel viel Erfahrung darin, solche Abstimmungen vorzunehmen.
Die amerikanischen IB-Schulen bieten in aller Regel parallel auch den „normalen“ amerikanischen oder kanadischen Highschool-Abschluss mit den entsprechenden Kursen an. Für deutsche Schüler, die nicht in der Heimat das IB-Diplom machen wollen, führt das zu einer größeren Auswahl. Sie können bei der Zusammenstellung ihres Stundenplans sowohl IB- als auch normale Highschool-Kurse belegen.
IB-Schulen in Kanada
Das kanadische Schulsystem zählt zu den besten der Welt. Einige kanadische Schulabschlüsse können daher zum Beispiel in Deutschland mit dem Abitur gleichgestellt werden und zur Aufnahme eines Studiums berechtigen. Darüber hinaus gibt es in Kanada mehrere hundert Schulen, die mindestens einen Abschnitt des IB-Programms anbieten. Unter den Schulen, an denen man das Diplom des IB erlangen kann, sind folgende Internate:
- Ashbury College
- Bishop’s College School
- Branksome Hall
- Brookes Westshore
- King’s-Edgehill School
- Luther College High School
- Ridley College
- Rothesay Netherwood School
- John’s-Kilmarnock School
IB-Schulen in den USA
Wer das Abitur in den USA machen möchte, arbeitet normalerweise auf das High-School-Diplom hin. Dieses allerdings bietet oft nicht genügend Grundlagen, um damit in Deutschland ein Studium beginnen zu können. Die Alternative ist auch in den USA das IB. In keinem Land der Welt gibt es mehr Schulen, die zumindest einen Teil des IB-Programms anbieten. Unter den Internaten in den USA bieten die folgenden das IB-Diplom als Abschlussoption an:
- Cheshire Academy
- EF Academy New York
- EF Academy Pasadena
- George School
- Leman Manhattan Preparatory School
- Monte Vista Christian School
- New Hampton School
- North Broward Preparatory School
- Riverstone International School
- Saint Andrew’s School
- St. Andrew’s School
- The Newman School
- The Village School
- Verde Valley School
- Windermere Preparatory School
Das IB am Internat in Amerika
Auch wer schon in der heimischen Schule in das IB-Programm eingeschrieben ist, kann natürlich ein Auslandsjahr während der Schulzeit verbringen. Das erfordert zwar wie erwähnt unter Umständen vielleicht etwas Feinabstimmung, bringt aber andererseits auch viele Vorteile mit sich. Wegen der Einheitlichkeit des Programms müssen sich die Schüler nämlich in akademischer Hinsicht nicht umgewöhnen. Darüber hinaus wird Englisch als erste Fremdsprache im Rahmen des IB mit einem Aufenthalt an einem amerikanischen Internat natürlich zum Kinderspiel. Zudem bietet gerade ein Internat das ideale Lernumfeld, um sich mit den anspruchsvollen Inhalten des IB zu beschäftigen. Und schließlich bietet das Internat auch genügend Raum für Sport- und andere Freizeitinteressen. Mit einem strukturierten Tagesablauf sorgen sie dafür, dass diese ebenso ihren Platz haben wie das Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler.
Was ist das IB?
Das International Bacclaureate (IB) ist ein Schulabschluss, der etwa mit dem deutschen Abitur vergleichbar ist. Er wird als Abschlussoption an tausenden Schulen in aller Welt angeboten, darunter auch an zahlreichen IB-Schulen in den USA und Kanada. Da die Regeln und Bedingungen überall auf der Welt dieselben sind, wird das IB von Universitäten überall in der Welt als Zugangsberechtigung anerkannt.
Was zeichnet das IB aus?
Das IB wird wegen seiner nachvollziehbaren und weltweit vergleichbaren Inhalte geschätzt. Es verfügt zudem über Komponenten wie wissenschaftliches Arbeiten, Förderung der Kreativität oder soziales Engagement, geht also über das rei schulische Lernen hinaus.
Welche IB-Schulen gibt es in Amerika?
In Amerika gibt es mehrere hundert Schulen, die einen oder mehrere Bestandteile des IB anbieten. Oft bieten diese Schulen parallel auch das kanadische oder amerikanische High-School-Diplom an, so dass die Schüler auswählen können, welchen Weg sie erfolgen möchten.
Kann ich mein Auslandsjahr in Amerika an einer IB-Schule machen?
Ja, das ist problemlos möglich. Es gibt zahlreiche Internate in den USA und in Kanada, die das IB anbieten.


